
In dieser Übersicht finden Sie die Dokumentation von Veranstaltungen und Aktivitäten, die im Bereich der interdisziplinären Kulturforschung stattgefunden haben.
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18.02.2010 bis 20.02.2010
Retraite
Die Retraite bildete den Auftakt zu einer Veranstaltungsreihe zum Thema Erfolg und Kunst, die ab 2010 im von Urs Kuenzi geleiteten Berliner Kunstraum Substitut stattfinden wird.
Teilnehmende: Mirjam Beerli, Gabrielle Hürlimann, Stephan Kunz (angefragt), Walter Pfeiffer, Brita Polzer, Gilli Stampa
Leitung: Urs Küenzi, Marion Strunk, Veronika Sellier
Rückblick von Urs Küenzi:
Die Retraite «Erfolg» (Schwerpunkt Bildende Kunst) war aufgrund des weiten thematischen Feldes sehr offen angelegt. In Gesprächen, die durch persönliche Inputs der Beteiligten strukturiert waren, sollte das Thema abgesteckt werden und vor allem auch dessen Relevanz geklärt werden. Die intensiven Diskussionen und der Feedbacks der Teilnehmer/innen haben gezeigt, wie virulent diese Thematik für alle ist.
Es wurde festgehalten, dass durch die Ökonomisierung und Beschleunigung der Gesellschaft der äussere Erfolgsdruck zugenommen hat. Im Bereich der Kunst hat sich die Dominanz des Marktes verstärkt, was für Künstler/innen «das schnelle Geld» bedeuten kann; das heisst jedoch auch, dass Erfolg als Markterfolg definiert wird. Die Ökonomisierung ist ebenso in der Kunstausbildung spürbar, wo die Studierenden vermehrt «auf Markt getrimmt» werden.
Der Wunsch nach persönlichem Erfolg ist natürlich bei allen Akteur/innen im Kunstsystem vorhanden. Inwieweit Erfolg darüber entscheidet, ob jemand «glücklich» wird, seine Künstler/innen-Karriere weiterführt oder abbricht wurde ebenfalls diskutiert und lohnt unbedingt die weitere Vertiefung. Hier stellte sich die Frage, inwieweit Erfolg sinnstiftend ist, respektive sein kann, oder ob das Künstler/innen-Sein eher einem Getrieben-Sein, einer inneren Notwendigkeit folgt. Auf der einen Seite stünde also der «Künstler-Künstler», der abseits von Öffentlichkeit, von dieser vielleicht sogar verkannt, sein Werk verfolgt, auf der anderen Seite der Glamour-Künstler, der sich wie ein Popstar vermarkten lässt.
Deutlich wurde in den Gesprächen, dass für den unmittelbaren Erfolg die Qualität des Werkes nicht im Vordergrund steht. Es sind eher diverse Akteur/innen im Kunstbetrieb (primär die des Marktes), welche die Erfolgsmechanismen zu beherrschen scheinen und diese geschickt zu nutzen wissen.
Angesichts der Tatsache, dass nur sehr wenig Künstler/innen (Statistiken sprechen von 3%) überhaupt als beruflich «erfolgreich» bezeichnet werden können, d.h. ganz von diesem Beruf leben, wurde über alternative Biografien gesprochen. Viele gehen einer anderen Arbeit nach, mit der sie ihr «Künstler-Dasein» finanzieren, damit sichern sie ihre Existenz jenseits vom Erfolgsdruck ab.
Im Herbst 2010 wird das Substitut in Berlin zwei Ausstellungen zum Thema Erfolg zeigen. Die im L'arc begonnene Diskussion soll in diesem Rahmen in Berlin weitergeführt und vertieft werden.
1. Ausstellung: 10. September–23. Oktober
2. Ausstellung: 30. Oktober–11. Dezember
Workshops/Podien: Wochenende 30.10.–1.11.